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Vom hinteren Ende der Startpositionen ins Leben

Seit 2012 gibt es die kleine Waldorfschule der Creative Education Foundation in Sansibar. In dem halbautonomen Inselstaat vor der Küste Tansanias lebt die Hälfte der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze, etwa 12 Prozent der Kinder sind unterernährt. Die Schulgründerin Judi Palmer wollte den Kindern der Insel eine Alternative zu den oft überfüllten Schulen ermöglichen und entschied sich schnell für die Waldorfpädagogik. Der Berliner Waldorflehrer Sönke Bohn reiste für sechs Wochen als Mentor nach Sansibar. Für „Waldorf Weltweit“ berichtet er über die Schule.

Eine gute Bildung ist für die allermeisten Kinder aus benachteiligten Lebenssituationen, sei es Armut, sei es eine instabile, angeschlagene oder zusammengebrochene Familien- und Sozialstruktur oder gar alles zugleich, der für viele Betroffene kaum vorstellbare aber wohl einzig mögliche Ausweg in eine gedeihliche Zukunft. Gedeihen, weil die Umstände es erlauben und diese Umstände dann einen Raum geben, in dem die selbstwirksamen Kräfte zur Tätigkeit ermuntert und wirksam werden dürfen. Der verantwortungsvolle Umgang mit den eigenen, aber auch lokalen Ressourcen ist nicht nur den Mitteleuropäern nicht in die Wiege gelegt, auch anderswo wird hierum gerungen, oft unter erheblich unkomfortableren Umständen.

Persönliche und berufliche Erfahrungen motivierten Judi Palmer, eine Unternehmerin aus Stonetown, Sansibar (Tansania), auf diesem Feld tätig zu werden und eine Schule als Gedeihraum insbesondere für Kinder die am hinteren Ende der Startpositionen ins Leben gelassen werden, zu gründen. Verschiedene pädagogische Konzepte sichtend stand bald außer Frage, dass es eine Waldorfschule werden sollte. In dieser Hinsicht zielstrebig - den kulturellen und gesellschaftlichen Gegebenheiten gegenüber behutsam – konnte die Arbeit beginnen.

Ganz pragmatisch die Angel im weltweiten Netz aushängend, fand sie in dem englisch-schweizerischen Pädagogen und Maler Dorian Keller eine Persönlichkeit, die bereit war, diese mutige Schulgründung zu begleiten, sich auf eine besondere Pioniersituation einzulassen und mit zwei lokalen, an diesem pädagogischen Unterfangen interessierten jungen Lehrern der Idee Leben einzuhauchen.

Mittlerweile ist die kleine Schule der CEF-Zanzibar (Creative Education Foundation Zanzibar) in ihrem sechsten Jahr angelangt. Nachdem die Schule im Februar 2013 zunächst mit einem Kindergarten sowie einer ersten und dann zweiten Klasse in Fuji Beach nahe Bububu angesiedelt war, konnte zum Januar 2015 in Kidichi, auf einer Anhöhe im Gewürzanbaugebiet, ein über drei Hektar großes Gelände erworben werden, auf dem Kinder bis zur nun schon fünften Klasse unterrichtet werden. Sind die Klassen der hiesigen Staatsschulen mit 100 bis 180 Kindern pro Klasse für Lehrerinnen und Schüler eine kaum zu bewältigende Herausforderung, kommen hier in einer Klasse bislang 12 bis 17 Kinder in der CEF-Schule zusammen. Es ist nicht nur die Klassengröße, die für die Kinder eine große Veränderung ihrer Lebensumstände bedeutet.

Während diejenigen Kinder, die eine staatliche Einrichtung besuchen, neben ihrer Schule noch eine weitere, die Medresse (Koranschule) besuchen, ist diese an dieser kleinen Waldorfschule in den täglichen Ablauf integriert. Den Kindern bleiben so ein anstrengendes, zweigleisiges Lernen und auch die dort üblichen Unterrichtsmethoden erspart.

Doch auch die Lehrerinnen und Lehrer brauchen und bekommen Unterstützung. Einige von ihnen besuchen, finanziert durch die Freunde der Erziehungskunst, die Blockkurse am Lehrerseminar in Nairobi und erhalten dadurch wertvolle Anregungen und Orientierung für die tagtägliche Arbeit mit den Kindern. Vor Ort wird das Kollegium durch eingeladene, mentorierende Kollegen beraten und unterstützt.

Wirtschaftlich wird die Schule von einigen Sponsoren, hauptsächlich ansässigen Restaurantbetreibern, getragen. Schulgeld wird nur für fünf der sechzig Kinder bezahlt, viele Kinder sind Waisen oder Halbwaisen, denen viel zu geben, bei denen aber wenig zu holen ist.

In den ersten zwei Schuljahren ist Swahili Unterrichtssprache, ab der dritten Klasse wird der Hauptunterricht in Englisch erteilt. Der in Mitteleuropa vieldiskutieren Pflege der unteren Sinne kommt die warme, üppige Natur entgegen. Hier geht es barfuß in den Schul-Dschungel, und wer sich Mandarinen, Bananen, Papaya, Mangos, Kokosnüsse, Litschis und weiß Gott was sonst alles beschaffen will, muss und kann es sich erklettern. Aber auch Ballspiele sind, wie überall auf der Erde, eine beliebte Pausenbeschäftigung. Kinder und Lehrerinnen begegnen einander in einer von herzlicher Freude durchdrungenen Atmosphäre. Alle haben viel zu lernen und gehen ihre Aufgaben mutig, mit großer Hingabe und hohen Erwartungen an sich selbst an, Kinder wie Lehrer. In einer wahrhaft paradiesisch zu nennenden Natur, einer quasi nicht vorhandenen kulturellen Infrastruktur entsteht hier ein Keim, der, wie es der Freiwillige Mohamad aus Saudi-Arabien aussprach, für und durch die Kinder eine leuchtende Zukunft eröffnen möge.

Eine wichtige Rolle spielt in der Schule aber auch das Ernährungsprogramm, denn mit Magenknurren lässt sich schlecht lernen: vor der Morgenversammlung gibt es Porridge und ein paar Datteln für jeden, in der Frühstückspause 2-3 kleine Pfannkuchen und Tee, später dann das Mittagessen und zum Schulschluss noch ein Ei und etwas Obst für den Weg nach Hause. Die Ausgaben von etwa einem US Dollar pro Tag und Kind können nur durch Spendengelder getragen werden. Das klingt nach wenig Geld für eine reichhaltige Ernährung. Ist es auch. „Die Kinder brauchen reichhaltigeres Essen und eine höhere Kalorienzufuhr“, erklärt Schulgründerin Judi Palmer. Ihr Ziel ist es, für jedes Kind etwa 1,50 Dollar für die Verpflegung zur Verfügung zu haben. Mit etwa 1.400 Euro im Monat kann sie dieses Ziel bei der aktuellen Anzahl der Schülerinnen und Schüler erreichen – dafür wird noch Hilfe benötigt.

Sönke Bohn

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